Winterfest bei Vattenfall und MIBRAG
Mit moderner Technik und bergmännischer Erfahrung auf Minusgrade und Windspitzen vorbereitet
Der Braunkohletagebau Vereinigtes Schleenhain der MIBRAG mbH und das Vattenfall-Kraftwerk Lippendorf bei Leipzig sind auf den Einbruch des Winters seit Monaten eingestellt. Dabei sind sie auf Frostperioden mit deutlichen Minusgraden ebenso vorbereitet wie auf die Anforderungen der Netzbetreiber zur Sicherung der Versorgungssicherheit über das Stromnetz, zum Beispiel bei starkem Windaufkommen. Dazu werden Grundlastkraftwerke heruntergeregelt oder zeitweise außer Betrieb genommen.
Erfahrungsgemäß steigen unter erschwerten Winterbedingungen die Anforderungen an Bergleute und Kraftwerker, weil die Nachfrage der Verbraucher nach Strom und Wärme wächst. Das Kraftwerk Lippendorf stellt mit seinen beiden Blöcken eine Stromerzeugungsleistung von je 920 Megawatt für Vattenfall und EnBW bereit und sichert bis zu 60 Prozent der Fernwärmeversorgung für die Stadt Leipzig mit einer Einwohnerzahl von einer halben Million.
Bereits am 22. November des vergangenen Jahres haben die Vattenfall Europe Generation AG, die MIBRAG mbH und die Mitteldeutsche Umwelt- und Entsorgung GmbH (MUEG) eine Vereinbarung über den Winterbetrieb 2011/2012 unterzeichnet. Sie enthält eine präzise Planung der Monatsmengen der Kohlebelieferung für Lippendorf, einschließlich der Verteilung über Wochen- und Tagesfahrpläne. Meteorologische Kurz- und Langfristprognosen bilden zudem die Grundlage für die Erstellung von Bereitschaftsplänen für den Fall, dass der Einsatz zusätzlicher Kräfte notwendig wird. Auch die Fahrweisen im Tagebau Vereinigtes Schleenhain werden fortlaufend den meteorologischen Bedingungen angepasst.
Im Kraftwerk Lippendorf ist an allen sensiblen Stellen eine regelmäßige Temperaturmessung festgelegt worden, um rechtzeitig auf sinkende Minusgrade reagieren zu können. Mit einem genau geplanten Wärmehaltemanagement wird der Betrieb von Begleitheizungen überwacht. Sollte aufgrund von Einfrierungsgefahr wegen zu starken Frostes der Transport von Nass-Asche oder Gips über Förderbänder nicht möglich sein, stehen Lkws für einen Transport auf der Straße bereit. Externe Firmen und Servicepartner sind mit dem Räumen und Streuen im Winterdienst nach einer festgelegten Prioritätenliste beauftragt.
Ebenso ist das Unternehmen MIBRAG auf schwierige Wetterverhältnisse eingerichtet. Der Kohlemisch- und Stapelplatz im Tagebau Vereinigtes Schleenhain ist mit Kohle bevorratet und stellt eine ständige Verfügbarkeit von bis zu 400.000 Tonnen sicher. Damit kann das Kraftwerk Lippendorf etwa zehn Tage lang versorgt werden, bis weiterer Nachschub aus dem Tagebau nötig wird.
„Der letzte Winter mit Temperaturen bis zu minus 20 Grad Celsius und viel Schnee war eine echte Bewährungsprobe, die unsere Mitarbeiter stark gefordert hat, die wir aber meistern konnten“, erklärt Horst Schmidt, Technischer Geschäftsführer MIBRAG. „Unsere Bergleute verfügen über viel Erfahrung und sind routiniert auch im Umgang mit widrigen Witterungsverhältnissen“, versichert Horst Schmidt. Dazu kämen robuste Technik und eine Reihe von Zusatzmaßnahmen, um die Kohleversorgung kontinuierlich durchzuführen.
„Unsere Tagebaugroßgeräte sind für ihren Einsatz unter winterlichen Witterungsverhältnissen umfassend vorbereitet und ausgerüstet“ beschreibt Mike Fischer, Leiter des Tagebaus, die Situation. Neuralgische Punkte wie Übergabestellen an den Bandanlagen werden besonders beobachtet und häufig kontrolliert. Die MIBRAG führt kontinuierlich Generalreparaturen und Ertüchtigungen an den Baggern durch, damit sie auch unter extremen Bedingungen zuverlässig Kohle und Abraum gewinnen können.
Vorbereitet sind die Vattenfall-Braunkohlekraftwerke Lippendorf, Jänschwalde, Schwarze Pumpe und Boxberg auch auf die Folgen verstärkter Einspeisung von EEG-Strom in das Versorgungsnetz. Laut Gesetz ist dem EEG-Strom Vorrang zu gewähren vor dem aus konventioneller Erzeugung wie aus der Braunkohle. „Die Probleme ergeben sich insbesondere aus den begrenzten Kapazitäten beim gegenwärtigen Versorgungsnetz, bei Extremwetterlagen wie hohem Windaufkommen und anderen. Um diese Situationen zu beherrschen gibt ein ausgeklügeltes Steuerungssystem zwischen dem Netzbetreiber und Vattenfall zum Betrieb der Kraftwerke“, erklärte Ralf Kirsch, zuständig für den Kraftwerkseinsatz von Vattenfall in Deutschland. Das betrifft einerseits die Bereitstellung von Regelenergie zum Auffangen von Versorgungsengpässen und andererseits die Netzsicherheit. Sollte eine zeitweise Außerbetriebnahme und die darauf folgende Inbetriebnahme von Kraftwerksblöcken notwendig sein, muss das in sehr kurzen Reaktionszeiten erfolgen.